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Der Italiener ist in seiner Heimat einer der wichtigsten modernen Fingerstyle-Gitarristen.
Er hat sich nicht nur mit sensibler Klangsprache und solidem Handwerk, sondern auch als
Lehrer und Verfasser von Unterrichtsbüchern einen Namen gemacht.Morones besondere Spezialität ist die organische Verbindung traditioneller mediterraner Klänge mit der musikalischen Verspieltheit irischer Jigs, Reels und Hornpipes. Er erschließt so der Gitarre völlig neue Ideen, indem er den Klang und die Verzierungen irischer Instrumente auf den sechs Saiten nachempfindet. Ergebnis ist ein ganz eigener Stil mit feingeschwungenen Melodiebögen, unaufdringlicher Virtuosität und luftiger Atmosphäre. "Jeder Ton muss klingen wie ein Kieselstein, der ins Wasser fällt."
Dieser Satz des humorvollen Italieners markiert seine ewige Suche nach der Verbindung von
Poesie und Perfektion, die dazu führt, dass unter seinen Händen Passagen von
unwiderstehlicher Einfachheit ebenso überzeugen wie spieltechnische Kunststücke."Franco Morone ist und bleibt - wie er selber sagt - in erster Linie ein Fingerpicking-Spieler - auch und gerade wenn er sich bei dem Stück "Wind Catcher" erfolgreich stilübergreifend als Flatstyle-Player versucht. "Running Home" ist sowohl ein weiterer Beweis für sein individuelles, perkussives Spiel als auch die folkig-irischen und bluesig-amerikanischen Einflüsse auf seine Kompositionen und seine Technik."
Interview aus "Akustik Gitarre"Ausgabe 6/03 ab S.28 (von Michael Lohr)„Dem Ursprung des Instruments folgen“Franco Morone gilt in Italien dank weit verbreiteter Lehrbücher und zahlreicher Workshops als Fingerstyle-Lehrer der Nation. Weltweit hat er sich einen Namen gemacht als Gitarrist ersten Ranges, der durch Kompositionen und Arrangements besticht, die Folk und Blues geschickt mit dem mediterranen Erbe seiner Heimat und mit keltischer Tradition mischt, der sein besonderes Interesse gilt. An einem freien Tourneetag führten wir anlässlich der Entstehung seiner neuesten CD „Running Home“ dieses Interview.
Franco Morone: Diesmal wollte ich viel Abwechslung in der Musik, in Spieltechniken und Sounds erreichen, immer den Bedürfnissen des jeweiligen Stückes entsprechend. Also habe ich verschiedene Tunings und verschiedene Instrumente benutzt. Ich habe z.B. die langsamen Stücke mit einer OM-Gitarre eingespielt, um den wärmsten Sound zu erzielen, der für Balladen genau richtig ist. Für die schnelleren Stücke und die mit Perkussion habe ich eine Gitarre mit kleinerem Körper genommen, weil diese einen ausbalancierteren Ton hat und nicht soviel Bass. Und dann war da noch eine Gitarre aus Graphit, die in den Mitten einen besonderen Frequenzgang hat, der sich hervorragend für das Bottleneck-Spiel eignet. Ein anderes Stück wurde mit einer alten 12saitigen aufgenommen. Ist das Album eher eine Sammlung von Titeln, oder ein zusammenhängendes Statement... „Running Home“ scheint mir meinem gegenwärtigen Gefühl als Musiker zu entsprechen. Vor ein paar Jahren habe ich „The South Wind“ gemacht, das nur aus irischen Traditionals besteht. Aber im Moment bewege ich mich mehr in eine multi-ethnische Richtung mit einer Bandbreite verschiedener Sprachen, wie sie vielleicht auch einem Live-Konzert eher entspricht; aber ganz sicher werde ich auch wieder ein „kohärentes“ Album machen. Du hast aber bei „Running Home“ neben unterschiedlichen Gitarren auch völlig verschiedene Aufnahmeorte gewählt – z.B. zu Hause… Franco Morone: … ja, nur mit DAT-Recorder und ein paar guten Mikrophonen. Bei diesem ersten Aufnahmeschritt geht es ohnehin nur um das Spiel selbst; Hall und Equalizer kann man dann im Studio dazugeben. Es hat sich als gute Idee erwiesen, immer nur das Allernötigste an Equipment mitzunehmen. Damit bin ich dann in die Toskana gefahren, in die Abruzzen und in die Emilia Romagna – alles schöne Gegenden. Und dabei ist mir aufgefallen, dass man den gleichen Titel durchaus besser spielen kann, wenn man an dem Ort, wo er aufgenommen wird, eine besondere Atmosphäre spürt. Also habe ich verschiedene Versionen eines Titels an verschiedenen Orten aufgenommen und natürlich hinterher die beste genommen. Im Augenblick scheinst du mehr zu arrangieren als zu komponieren. Franco Morone: Das könnte sich auch irgendwann wieder ändern, aber im Moment trifft das schon zu, zumal ich gerade an einer Sammlung italienischer Volkslieder sitze und als nächstes eine Sammlung keltischer Stücke herauskommen soll. Allerdings warten bei mir auch noch eine Menge Eigenkompositionen auf ihren Feinschliff. Ich glaube, die Kunst des Arrangierens wird manchmal in ihrer Bedeutung arg unterschätzt – die Folgen hört man dann, wenn ein junger Gitarrist es eilig hat, mit seinen Eigenkompositionen herauszukommen.... Das Arrangieren lehrt einen, wie man seinen persönlichen Stil entwickelt und dabei doch wichtige Arbeit an ganz verschiedenen Musikrichtungen leistet. Mir hat einmal ein Freund gesagt, dass er meinen Stil erkennt in allem, was ich spiele – Blues, Italienisches, Keltisches. Und das war eines der schönsten Komplimente, die ich je bekommen habe. Arrangieren bedeutet manchmal die Kunst, ein anderes Instrument zu imitieren – z.B. O´Carolans Harfe, die irische Fiddle oder den Gesang eines Volkslieds. Ich habe bei dieser Aufgabe eine Menge gelernt, und zwar weil verschiedene Instrumente eine Melodie oder Harmonie in den Verzierungen, der Akkordik oder der Dynamik völlig unterschiedlich spielen können. Und wie gehst du beim Arrangieren vor? Franco Morone: Als Erstes versuche ich etwas zu finden, das ich wirklich gerne spiele. Etwas, das mich berührt, egal warum; durch Melodie oder Rhythmus oder die Verbindung von beidem. Wenn ich ein gutes irisches Stück finde, suche ich nach anderen Versionen davon – z.B. wenn die erste von einem Fiddler war, eine zweite vielleicht von einem Akkordeonspieler. Man hört das unterschiedliche Spiel verschiedener Instrumente im gleichen Stück, besonders im Folk; man vergleicht die Versionen und entwickelt dadurch eine eigene Vorstellung von diesem Stück. Dann sollte man sich über die beste Tonart und das beste Tuning für das Stück klar werden. Dafür hat es sich als hilfreich erwiesen, sich den tiefsten Basston und den höchsten Melodieton des Stücks herauszupicken und zu schauen, wie das mit der Begleitung bzw. der Melodie hinhauen könnte. Eine andere Möglichkeit ist die, nach dem besten Verhältnis zwischen offenen und gegriffenen Saiten zu suchen. Ich habe früher viele verschiedene Tunings benutzt, aber im Moment möchte ich das doch stark einschränken. Diese Entwicklung scheinen viele Fingerstyle-Gitarristen durchzumachen – manche konzentrieren sich am Ende auf nur ein Tuning.
Glaubst du, dass dein Spiel sich noch immer entwickelt? Franco Morone: Natürlich – wenn auch nicht radikal. Anfangs war ich stark beeinflusst vom Blues, dann von Ragtime und Swing, und dann habe ich angefangen, irische Musik zu spielen. Wenn man sich durch so viele Stilrichtungen hindurch entwickelt, nimmt man viele Einflüsse auf. Und wenn mir heute manchmal ein bisschen die Inspiration ausgeht, gehe ich einfach zurück an die Wurzeln. Wenn man wieder bei Null anfängt, findet man viele neue Ideen. Und mit mehr Begriffen im Vokabular hat man immer mehr Ausdrucksmöglichkeiten. Was war denn der Ansatz der Vergangenheit? Franco Morone: Man weiß ja, dass die Stahlsaitengitarre mit dem Blues geboren wurde. Und der Blues wurde mit der Stahlsaitengitarre geboren. Daher ist es gut und richtig, auf einer solchen Gitarre mit Blues anzufangen, so wie es auch richtig ist, Etüden von Giuliani oder Carulli auf einer klassischen Gitarre zu spielen. Es liegt einfach in der Natur der Sache, dem Ursprung des Instruments zu folgen. Nur erlaubt die unglaubliche Vielseitigkeit der Stahlsaitengitarre heute eben ein hervorragendes und breit gefächertes Repertoire. ... mehr dazu in Heft 6/03 ab Seite 28!
Aktuelle Produktion:„Running Home“ Schon beim Opener (dem Titelstück) beginnt die Suche nach Worten für das, was hier in Tönen gemalt wird: Die Essenz vieler Stile zwischen Afrika, Italien, Irland und Nordamerika ist dermaßen harmonisch eingeflossen in einen warm-relaxten und doch erdigen Gitarrenklang, dass alles zugleich treibend und zart daherkommt. Tänzerisch leichte Grooves, mühelos fließendes Melodiespiel und feine Transparenz der Polyphonie versetzen den Hörer zusehends in ein noch zu erschaffendes Land, das keltische Mystik und mediterrane Wärme ausstrahlt. Es liegt auf der Hand, dass solch liebevoll gesponnenen Zwischentöne sich nicht mit Wucht ins Hirn sprengen; dafür entfalten sie aber eine ähnlich belebende Tiefen- und Langzeitwirkung wie die Musik von John Renbourn und Pierre Bensusan.
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